Ich liebe diese Stadt. Zürich, mein Zuhause seit fast 10 Jahren. Es ist Sonntag und ich auf dem Weg an den dunklen Rand der Stadt, Schwamendingen. Kleiner Scherz, so dunkel ists da gar nicht. Wie immer bin ich mit dem Tram unterwegs (ja, ich weiss, es wäre DIE Tram, als Schweizer klingt das aber einfach falsch und die grammatikalisch richtige Form zu abgehoben) unterwegs. Puh, zum Glück digitalisiere ich meine Texte, Tramsitze sind kein guter Schreibort, da werde ich meinen inneren Detective Conan kanalisieren müssen, um herauszufinden, was hier steht (So weit, so erfolgreich dechiffriert). Bis vor einem Stopp waren meine Lieblingsmitfahrenden im Tram. Kinder. Also nicht die schreienden „Ich hasse alles, vorallem diese Situation und ganz besonders alle sonst so gut funktionierenden Stimulanzien“-Kinder….die anderen halt. Die Kinder, die alles und jeden registrieren und ganz genau unter die Lupe nehmen. Ihr Blick ist die pure Faszination, das reine Interesse. Manchmal skeptisch, manchmal ein wenig ängstlich, oft amüsiert, aber nie urteilend. (Shit, Bein eingeschlafen…und die neue Sitzposition ist noch schreibfeindlicher…da muss ich jetzt durch) Sobald Augenkontakt hergestellt wird und das Kind etabliert hat, dass gegenseitige Registrierung vorhanden ist, dann gibts zwei Möglichkeiten. Entweder du widmest dich wieder deinem Leben, das Kind sich dem eigenen ODER! (und ja, eigentlich gibt es für mich nur diese eine Option, wenigstens in 90% der Fälle) es wird non-verbal kommuniziert. Man tauscht sich mit Händen und Füssen über die neusten Tradingtrends aus, wo es den besten Cappucino (sollte stimmen) gibt, warum das Ende von Inception klar zeigt, dass der Protagonist sich in der realen Welt befindet oder welche Transfers der FCZ tätigen müsste, um wieder Meister zu werden (Spoiler: gute). Besser gesagt, es werden Grimassen geschnitten. Viele Grimassen. Oft ist es der Erwachsene, also ich, der Grimassen schneidet, in gewissen Fällen, zu selten, kommen welche zurück, was herrlich ist. Meistens jedoch, ist der Ertrag der eigenen Gesichtsakrobatik ein äusserst entzücktes Kleinkind, das lächelt, lacht oder Papa bzw. Mama auf den unglaublich witzigen Mann aufmerksam macht. Worst Case, das Kind bekommt Angst, noch worster Case (blablabla nicht steigerbar) es beginnt zu weinen. Dann bleibt nur noch das unauffällig Sich-etwas-sehr-Wichtigem-Widmens oder hoffen, dass der Elternteil gesehen hatte, dass keine bösen Absichten vorhanden waren. Der worst und der noch worster Case treten nicht oft auf oder ich merke genug schnell, dass das Kind keinen Bock auf dieses infantile Gebaren hat. Es kann also vorkommen, dass ich tramstreckenlang mit den absurdesten Gesichtsausdrücken und Rumgehampel verbringe, das von aussen nach epiletischem Anfall oder stattfindendem Exorzismus aussehen muss. Darum kann es auch vorkommen, dass verstörte Blicke auf mich fallen, bis der Ursprung des Zumaffengemaches ersichtlich wird, woraufhin die Verstörung Verständnis weicht, manchmal eigenem Amusement. In solchen Situationen gebe ich einen Fick darauf, was andere denken, ich gebe mich der Bespassung hin und amüsiere mich herrlich. Es gibt nur etwas, das diesen Moment zerstören kann, nein, zwei Dinge. Die Haltestelle, an der ich oder das Kind aktenkoffergreifend (das Kind, nicht ich) aussteigen muss UND, viel schlimmer, Scenestealer(:innen? Gendert man Anglizismen?) Das sind meistens extrastereotypische Omas, die dazukommen und mit gegutschigutschi die Aufmerksamkeit des Kindes auf sich ziehen. Zu allem Übel kommt nicht nur hinzu, dass sie dann ihr mit kukidentbehaftetes Lächeln in meine Richtung werfen, das von aussen sicher nett und freundlich wirkt, aber ganz klar sagt: „Da, du Anfänger, das ist Omapower, Bitch!“, nein, sondern, dass sie Recht damit haben. Ich habe keine Chance gegen diese Urgewalt…. Such dir dein eigenes Kleinkind, um die Tramfahrt zu verkürzen, du Hexe! Frechheit! So ist’s im Leben eben, manchmal scheint die Sonne, doch dann kommt…eine Ü-80er-Dame mit Omacharme und stiehlt dir die Show.
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