Pink. Was kommt dir in den Sinn, wenn du dieses Wort liest? Vielleicht ist eine Punkrockpop(whatever)sängerin, die Anfang der 0er-Jahre einige Hits landete und mit ihrem „gewagten“ Auftreten auffiel. Fair enough kann ich da nur sagen (hihihi, faire Aff…okay, sorry). Oder ist es Barbie? Sowohl die Puppe, die vornehmlich mit dieser Farbe assoziiert wird als auch der 2023 erschienene Film von Greta Gerwick (keine Ahnung, ob man sie so schreibt, habe keine Lust nachzuschauen, naja, wird schon stimmen), der mir persönlich sehr gut gefallen hat und eine regelrechte pinke Welle auslöste. Und ja, der Film ist kein feministisches Meisterwerk, das alle Minds blowt und revolutionäre Ideen vermittelt oder eine Koriphäe (das kann nicht stimmen, aber phonetisch passts zumindest) des Kampfes gegen das Patriarchat wird, aber…..er gefiel mir und hat eventuell doch den einen oder anderen Gleichstellungsuninteressierten (absichtlich nicht gegendert, auch wenn da sicherlich auch Zuschauerinnen dazugehörten….vielleicht hätte ichs doch gendern sollen…hmmm…) zum Nachdenken gebracht darüber, welche zwispältigen Ansprüche an Frauen gestellt werden. Let’s hope so. (Wow, Anglizismen on fleek heute…) Okay, darum gings jetzt eigentlich gar nicht, es ging um pink. Gut, da kommt dieses Abschweifen ja nicht von ungefähr. Vielleicht kommt dir auch ein gewisser Panther in den Sinn, der mich in meiner Kindheit, als Plüschtier, auf einige Bäume und in viele Pfützen begleitete und das in zweifacher Ausführung (der erste war viel cooler, weil er so struppig war….R.I.P ihr beiden). Es könnte aber auch sein, dass als erstes in deinem Kopf Ausdrücke wie „Mädchenfarbe“ oder „schwule Farbe“ (das zu schreiben fühlt sich eklig an, obwohl der Ausdruck „schwul“ eigentlich keine Wertung per se innehat, aber irgendwie assoziiere ich dieses Wort direkt mit Homophobie, weil homophobe Idiot:innen es so ausspuckend als Art Beleidigung nutzen und ich diesen Klang abgespeichert habe….daran sollte ich arbeiten. So, weiter mit pink.). Gaaanz vielleicht verbindest du pink auch mit mir bzw. diesem Blog. Ich bezweifle es, da zu neu, wäre aber cool. Fakt ist, du hast garantiert irgendeine Verbindung, di du machst, wenn du das Wort „pink“ liest oder hörst. Stärker, als bei allen anderen Farben (ausser vielleicht schwarz und weiss, die ja aber eigentlich Schattierungen sind, dahin gehen wir jetzt aber nicht….ein andermal….vielleicht..). An dieser Stelle ein kleiner Einschub (als hätte es nicht schon genug). Ich unterscheide hier nicht zwischen pink und rosa, auch wenn es nicht dieselben Farben sind. Gut, also, keine andere Farbe polarisiert so sehr wie pink. Warum? Warum werden Eltern darauf hingewiesen, dass es eine Mädchenfarbe ist, sobald ihr Sohn ein pinkes T-Shirt trägt, nicht aber, wenn die Tochter hellblaue Kleidungsstücke trägt, darauf, dass das eine Jungenfarbe ist? (Was ja auch Quatsch wäre, Farben haben kein Geschlecht, gottverdammt! Hellblau wird aber leider als Farbe für Jungen stilisiert) Warum wird Mann als mutig bezeichnet, wenn er einen knallpinken Pullover trägt? Es kommt ja auch niemand und sagt: „So mutig, dass du diesen grünen Pulli trägst.“ Was hat diese Farbe so Magisches oder Einschüchterndes an sich, dass sich ein zum guten Glück kleiner, jedoch lauter und dummer Teil einer Bevölkerung über das Auswärtstrikot einer Fussballnationalmannschaft echauffiert? Also ja, homophob, darum….Da kommt aber schon der nächste Punkt, der mich irritiert. Seit wann hat eine Farbe eine Sexualität?1 Oder ein Geschlecht? Das ist absurd! Und, wenn du jetzt denkst: „Ja, aber, diese Verbindungen machst ja du! In deinem Denken besteht der Zusammenhang zwischen Geschlecht bzw. Sexualität und pink. Andere Menschen sehen das gar nicht so und wenn, dann nur erzkonservative, in der Zeit stehen gebliebene Menschen oder so Machotypen.“, dann muss ich da leider widersprechen. Naja, zum Teil. Es stimmt schon, dass auch mein Denken diese Verbindungen noch macht bzw. davon ausgeht, dass andere pink mit Geschlecht und/oder Sexualität verbinden, doch, ich habe genügend Beispiele, um zu untermauern, dass dieses Denken doch noch sehr verbreitet ist. Ich liebe pink. Die Schrift meines Blogs ist pink. Einige meiner Pullis und T-Shirts sind pink. Meine Kopfhörer sind pink. Die Reifen, der Sattel und der Lenker meines Fahrrads sind pink. Mein Anzug, der mir passt, ist pink. Schuhe von mir sind pink. Viel pink. Ich könnte jetzt sagen, dass das alles so ist, weil die Farbe mir halt gefällt, ohne Hintergedanken. Das wäre gelogen. Mittlerweile stimmt das, mir gefällt die Farbe pink. Und auch früher war es nicht so, dass sie mir nicht gefallen hätte, ABER (hier bitte Zeigefingeremoji und Smiley mit kluger Brille vorstellen) anfangs, und auch heute noch teilweise, ging es mir auch sehr darum, mit dieser seltsamen Vorstellung zu brechen, pink sei eine Mädchenfarbe (der Sexualitätsaspekt spielte effektiv nie eine Rolle, aber wer wurde wohl seit dem vermehrten Tragen von pink des Öfteren von Leuten übervorsichtig gefragt, ob er denn die Farbe „darum“ trage? Macht ja nichts, ich erwidere dann lächelnd, dass dem nicht so sein, nein. Wenn ich gerade Lust habe und die Vorsicht beim Stellen dieser Frage besonders hoch war, frage ich gerne unschuldig nach, wie die Fragestellenden darauf kämen. Das Gestammel daraufhin ist herrlich). Jedenfalls, hier ein paar Beispiele dafür, dass pink mehr als nur eine Farbe zu sein scheint.
Ich war mit zwei Arbeitskolleginnen draussen in der Pause und hatte mein vorher erwähntes Fahrrad dabei. Unsere Chefin kam dazu und fragte, wem das Rad gehöre. Wahrheitsgetreu sagte ich: „Mir.“ Als wir zurückgingen und ich mein Fahrrad neben mir herschob, hörte ich meine Chefin flüstern: „Das gehört ja wirklich ihm.“ Ich drehte mich um und sagte amüsiert: „Hä, ja, das habe ich doch gesagt. Wieso erstaunt dich das so?“ Verlegen versuchte sie erfolglos zu erklären war, um dann mit „so mutig“ zu enden.
Vor Kurzem war ich im Odeon und anschliessend bei jemanden, der mir sehr nahe steht und keine homophobe Seite an sich hat, zu Besuch. Als ich von meinem Besuch im Oden erzählte, kam die Bemerkung: „Ah, darum der Pulli.“ Ich verstand nicht, bekam dann aber die Information, dass das Odeon anscheinend eine Zeit lang oder immer noch ein beliebter Treffpunkt der Schwulenszene war/ist. Der Pulli war, Überrraschung, pink.
Dieses Bild von pink als Mädchenfarbe ist nur nur im Einzelnen vorhanden, sondern, und das überrascht nun definitiv niemanden, der oder die mit halboffenen Augen durch die Welt geht, wird im Marketing weiter befeuert. Ich scheitere regelmässig am Versuch meinen Nichten Geschenke zu machen, die ihren Interessen entsprechen und nicht stereotypisch pink sind. Der Grund? Wenn sie pink schön finden, dann, aufgrund ihres Ästethikverständnisses und nicht, weil ihnen von allen Seiten suggeriert wird, dass sie es müssten, weil sie Mädchen sind. (Ich weiss, ich weiss, ultraverkopft, aber ja, so ists in meinem Kopf nunmal.)
Andere Beispiele von Produkten, die in pink, gemäss einer Onlineverkaufsplattform, nur von Mädchen gewünscht sind:
1. Velosattel bzw. ganzes Velo (ja, habs auch gemerkt, einmal Fahrrad, einmal Velo, naja, so ists halt). Ich brauche einen neuen Sattel für mein Velo. Wenn ich mit dem Zusatz „pink“ danach suche, dann sind die Vorschläge Kindervelos, die von den Herstellenden wohl für Mädchen gedacht waren. Ich bin 1.80m, wird schwierig.
2. Küchenregal. Kürzlich hatte ich die Idee, dass in meiner Küche ein zusätzliches Wandregal nützlich wäre. Die Steinarmaturen (Ammaturen? Amaturen? Egal…) und der Boden sind, wenigstens aus meiner Sicht, farblich sehr kompatibel mit pink bzw. rosa. Darum also rein ins World Wide Web, Küchenregal, rosa/pink suchen…..nun ja, entweder stelle ich mir nun eine knallpinke Kinderküche in die Ecke oder ich bleibe regallos…schade.
Es gäbe moch einige Beispiele mehr, die die Vorstellung von pink als „Mädchen- oder Schwulenfarbe“ weiter festigen, aber, I have made my point (woohoo, Anglizismus !) und der Text ist jetzt schon eine halbe Abschlussarbeit.
Abschlissend gibt es für mich nur zwei Möglichkeiten, wie mit der Farbe pink, die mehr polarisiert als die Frage, ob Anananas auf die Pizza gehört oder nicht (Spoiler: ja eh, wieso nicht, salz und süss, voll geil), in Zukunft umgegangen werden sollte. Entweder sie wird als das gesehen, was sie ist, einfach eine coole Farbe, weder ein Geschlecht, noch eine Sexualität ist, repräsentiert oder andeutet ODER! allen anderen Farben wird ebenfalls übermässig viel Bedeutung angedichtet.
Ich wäre mit beidem zufrieden.
- Anmerkung: Einige Tage nach dem Schreiben dieses Textes habe ich über einen Funk-Post auf Instagram gelernt, dass die Nazis (wer auch sonst?) schwule Männer mit pink markierten in den KZs und daher diese Verbindung kommt….macht das Ganze nur noch tragischer. ↩︎
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