„One of those days!“, diese Textzeile kommt in einem Lied von Limp Bizkit vor, verbunden mit vielen, negativen Erlebnissen, die es zu einem „dieser Tage“ machen (der Rest des Textes ist mir gerade nicht mehr so präsent, ist aber auch nicht so wichtig). Heute ist „one of those days“, einer dieser Tage, die ich oft (oder des Öfteren) erlebe. Durchzogenes Wetter, gerade zwar sonnig, aber windig, es regnete aber auch schon (April, I guess) und eigentlich geht es mir gut, hatte aufgrund des Sächsilüüte frei, ging trainieren, erledigte berufliche und private Aufgaben, las, trank Kaffee und jetzt schreibe ich. Eigentlich ein toller Tag mit vielen Dingen, die mir gut tun und die ich gerne mache und trotzdem fühle ich mich nicht hervorragend (ja, ist vermessen, manchmal macht die Laune halt „meh“ und hervorragend ist hoch geschossen), nicht mal wirklich gut, aber auch nicht schlecht… So geht’s mir ab und zu mal, ich kenne das. In mir drin herrscht Chaos, ich bin aufgewühlt. In mir drehen sich Gedanken, Gefühle, Wünsche, Ängste und alles, was es sonst so gibt im Kreis, Dreieck (hier stand zuerst „Dreis“, danke ADHS) und Octagon auf einmal. Es passt, dass ich gerade das Buch „Kirmes im Kopf“ (dringende Leseempfehlung an dieser Stelle), in dem es um ADHS im Erwachsenenalter aus Sicht einer betroffenen Frau geht, lese. Denn das ist die Ursache für dieses Chaos, meine, auch recht frisch diagnostizierte, ADHS. Ich weiss das. Dieses Wissen hilft. Gerade ändert dieses Wissen aber nichts. Es ändert nichts daran, dass ich nach einem, aus meiner Sicht, sehr gelungenem ersten Date hin und her wechsle zwischen Freude über das tolle Treffen und die guten Gespräche und der Angst, ob diese oder jene eine Aussage von ihr oder mir ein Zeichen dafür sein könnte, dass doch nicht das geglaubte Interesse besteht (oder zum Verlust des Interesses führte) oder, ob meine Interpretation (immer noch nicht sicher bei der Rechtschreibung dieses Worts) von Nachrichten ein gutes Gespür oder Überinterpretation (bleibe bei dieser Schreibweise) sind. Da spielen andere Faktoren natürlich auch eine grosse Rolle dabei, die ADHS hilft aber sicher nicht. Es sind ja nicht die einzigen Gedanken. Es gesellt sich die Sorge dazu, ob ich, nach diesem nicht so gut gelaufenen Monat, doch immer noch einen schlechten Umgang mit Geld habe, was ich diese Woche noch essen soll, ob der Arbeitskollege (den ich effektiv in diesem Moment traf) sich noch Gedanken über den schiefgelaufenen Handschlag machen wird, welche Arbeiten ich wohl, trotz mittlerweile okayer (gut wäre zu viel) Organisation, vergessen habe, mit welchen Freund:innen ich lange nicht mehr gesprochen habe und wieder mal sollte (falls du dich angesprochen fühlst, schreib mir einfach, ich freue mich) oder, ob es heute Abend wohl mit einschlafen klappen wird. Und, das sind nur die greifbaren Gedanken, die sich jetzt klar zeigten. Eine Ebene darunter passiert noch so Einiges mehr. Auf der anderen Seite kommen auch Unmengen von Ideen dazu, wie, dass ich mal wieder Musik machen, das Buch oder alte Comics in die Hand nehmen und weiterlesen oder die nächste Folge der Wu-Tang-Serie schauen könnte. Das alles und viel mehr rast durch meinen Kopf in Sekundenbruchteilen, gepaart mit tausenden Eindrücken meiner Umwelt. Gespräche an den Nachbartischen, der Wind, der alles runterzuwerfen droht, der Weedgeruch von nebenan, die Trame und Autos, die geräuschvoll vorbeifahren. Ich weiss, die meisten Menschen machen sich solche Gedanken und sind diesen Sinneseindrücken ausgesetzt, viele können das aber filtern, einordnen, ausblenden. Ich teilweise auch, halt schlechter (oder anders, um es positiv auszudrücken). Die Antworten auf meine Sorgen sind mir auch klar. Sie können sein: „Und auch wenn, dann passt es halt nicht“, „Solche Monate gibt es“, „Das wird ihm gar nicht grossartig aufgefallen sein“ und und und. Grundsätzlich: „Mach dir nicht so einen Kopf darum.“
Das alles stimmt und ist wahr. Oft kann ich das auch besser regulieren. Heute nicht so. Heute ist halt „One of those days“.
Epilog (oder Anmerkungen des Autors [also mir sozusagen] oder whatever):
1. Sorgen muss man sich um mich deswegen keine machen. Ich kenne solche Tage. Sie sind zwar nicht toll, sie gehören aber dazu. Und!, sie gehen auch wieder vorbei.
2. Das Schreiben dieses Textes hat mir bereits sehr geholfen, ein bisschen entspannter und ruhiger zu werden.
3. Wenn du dich durch das Lesen dieses Textes schon ein wenig (oder sehr) gehetzt fühlst, kannst du nun besser nachvollziehen, wie es in mir drin aussehen kann.
4. (und letztens, falls man das sagen kann) Wenn du das alles von dir selbst kennst und auch eher des Öfteren, als ab und zu, erlebst, könnte es Sinn machen, mal etwas über ADHS zu lesen oder schauen. Es muss natürlich nichts heissen und ich bin nur ein Laie, aber informieren schadet sicher nicht.
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