Vermissmeinnicht

„Ich habe dich vermisst.“ Vielleicht denkst du jetzt: „Oh, wie süss, ich dich auch.“ Je nachdem, wer du bist, seltsam, wir kennen uns ja kaum…vielleicht kennen wir uns aber sehr gut und haben uns länger nicht mehr gesehen. Dann wäre diese Reaktion nachvollziehbar. Es tut mir leid, dir mitteilen zu müssen, dass dieser Satz nicht dir gilt, also, eigentlich gar niemandem, jedenfalls nicht aus meinem Mund, denn, ich vermisse nicht. Wenn ich hier nun enden würde, könntest du zurecht denken: „Was für ein Arschloch.“ Naja, vielleicht denkst du das auch am eigentlichen Ende….dann vermisse ich dich erst recht nicht (grad z’leid![auf Hochdeutsch klingt das nicht so schön eingeschnappt]), lass mich also zuerst mal erklären, wie das gemeint ist (denk dann „Arschloch“[mit einem Komma vor „Arschloch“ würde sich diese Aussage sofort ändern. Interpunktion. Wichtig.]), es könnte einfach ein wenig dauern. Auf diese Erkenntnis, dass ich nicht vermisse, bin ich kürzlich im Gespräch mit einer Freundin gekommen. Also, eigentlich wusste ich das irgendwie schon, da wurde es mir einfach klar. Heisst das, dass mir alle Menschen, seien sie noch so eng befreundet, egal sind, ich nie an sie denke, wenn sie nicht um mich herum sind und ich mich nie einsam fühle? Nein, nein und heeeell no! Ich mache das Vermissen eher an einem Bild fest (jetzt also Imagination sammeln und versuchen folgendes Bild vor dein inneres Auge zu holen), nämlich am Bild von mir bäuchlings auf dem Bett liegend, Gesicht in die Hände gestützt, Blick in die Ferne schweifend und seufzend sagen: „Ach, ich vermisse XY“ (falls diese Texte irgendwann mal bebildert werden, will ich unbedingt dieses Bild haben, ich lach mich schlapp!). Dieses Vermissen, auch wenn hier sehr überspitzt beschrieben, kenne ich nicht. Ich weiss auch nicht recht, wie sich das anfühlen sollte/könnte und, warum das etwas Gutes für mich sein sollte, das klingt ganz schön schmerzhaft, nach einem Fehlen von Glücklichsein. Das wird es wohl nicht sein, sondern eher als Beweis angesehen, dass eine Person wichtig für einen (für einem? Da blicke ich bis heute mit den Fällen nicht durch) ist. Aber dauerndes Vermissen klingt echt anstrengend. Soweit, so Arschloch, denn bisher scheint es immer noch so, als würde ich nicht an mir liebe Menschen denken und darum nicht vermissen. Das ist aber nicht so. Ich lebe sehr im Moment, ich tue mich schwer, in die Zukunft zu denken und werde mit vielen Eindrücken bombadiert, die ganze Zeit. Mein Hirn ist damit ziemlich beschäftigt, da bleibt nicht viel Kapazität zum Schwelgen. Trotzdem gibt es immer wieder Momente, in denen ich denke, diese Personn würde das auch toll finden, mit jener Person würde ich das gerne erleben oder mit dieser Person habe ich etwas Ähnliches erlebt etc. pp. (was heisst dieses pp eigentlich?) Solche Momente führen dazu, mich bei jemandem zu melden, daran zu denken, dass ich gerne etwas mit gewissen Mneschen unternehmen möchte. Dann freue ich mich auch sehr, diese Menschen zu sehen und geniesse gemeinsame Erlebnisse. Manchmal denke ich auch auf dem Nichts daran, was wohl jene:r Freund:in gerade tun könnte oder, dass es schön wäre sie zu sehen. Auch Momente der Einsamkeit führen dazu, dass ich mich nach diesen Menschen, die ich sehr liebe, sehne und sie sehen möchte. Bei mir ist also weniger dieses seufzende Vermissen, mehr der Gedanke, es wäre schön jemanden wieder zu sehen, Momente zu teilen, deren Meinungen und Erlebnisse zu hören, sie im Leben zu haben. Das kann halt mal sehr lange dauern, bis dieser Gedanke kommt, vielleicht wird er von anderen oft einfach runtergedrückt, wie manche Kinder im Schwimmbad (geiler Vergleich). Vielleicht ist das „vermissen“, dann vermisse ich auch, brauche einfach andere Worte dafür. Vermiss mich also nicht, sondern freu dich lieber, mich zu sehen, hören (evtl. lesen) und zu erleben, weil das tue ich definitiv auch! Ich freue mich jetzt schon, dich bald wieder zu sehen (ausser du findest mich ein Arschloch, dann können wir das auch lassen 😉 )

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