Mehr Albernheit, jetzt!

Der zweite Tag meiner Reise neigt sich langsam bereits dem Ende zu (naja, eigentlich mittlerweile der fünfte, jetzt, da ich das online stelle [und ja, ich musste nachzählen…]) in einer Stadt, die ganz klar jemanden über alle anderen stellt. Dieser Jemand ist Wolfgang (war kurz unsicher, ob Wolfgang wirklich stimmt) Amadeus Mozart. Wenn bei die jetzt nicht der Städtenamen direkt ins Gedächtnis schiesst, bist du wohl ein:e ähnliche:r Kulturbanaus:in wie ich. Es ist Salzburg, by the way. Seit heute sind wir zu dritt (naja, vielleicht eher zu Eindreiviertelt). „Hä, was, ich dachte, du bist alleine unterwegs?!“, denkst du dir jetzt vielleicht. „Halte ein in Amadeus‘ Namen!“, wie man hier in Salzburg sicherlich zu sagen pflegt (wenn nicht, dann „buuuh Salzburg!“), lass mich erklären. Wir, das bin offensichtlich einerseits ich, der nicht ganz so geheimnisvolle und wenig anonyme, da diese Texte nur über meinen privaten Instagramkanal und einige Whatsappgruppen geteilt werden, Verfasser dieser lyrischen Ergüsse, mein kleiner Kumpel (nein, nicht mein Penis, reiss dich zusammen) Grogu, seinerseits eine kleine, wohl aus asiatischer Herstellung stammender und auf Temu (shame on me, obwohl ich den geschenkt bekommen habe, darum doch nicht shame on me, auch nicht on dem lieben Menschen) gekaufter Babyyodafigur und, seit heute, Entgang Amadeus Quackzart, ein, wie der äusserst clevere, aus meinen Synapsen stammende Namen schon erahnen lässt, kleines Quietscheentchen, das aussieht wie der Stadtheilige Salzburgs, Wolfgang Amadeus Motherfucking Mozart (sag niemandem aus Salzburg, dass ich ihn so nannte, ich nehme an, dass das als Blasphemie gilt und mit dem Tod durch Bewerfen mit Mozartkugeln bestraft wird). Jedenfalls, das sind meine zwei Reisebegleiter. Du findest das albern? Zurecht! Ist es ja auch. Nur, dass ich darin rein gar nichts Schlechtes sehe. Ich liebe es! Ich bin für mehr Albernheit im Leben, massiv viel mehr. Vor Kurzem habe ich einen Instagramkanal entdeckt von einer jungen Frau, die herrlich albern ist. Ihre Videos drehen sich vornehmlich um Essen, das sie probiert bzw. halt am Essen ist, währenddessen sie über allerlei Dinge spricht, auf Kommentare reagiert, die ihr ihr Sein schlechtreden wollen, die sich über sie ärgern und sie anfeinden…und sie reagiert grossartig, nämlich mit demonstrativer Albernheit, manchmal mit breitem norddeutschen Dialekt, gerade, wenn sie „rechtfertigen muss“, dass sie gut Deutsch spricht (thailändische Wurzeln, geboren und aufgewachsen in Deutschland; nur zur Einordnung, warum diese unverschämte Frage in grosser Regelmässigkeit aufkommt), manchmal, indem sie diese Kommentare als das hinstellt, was sie sind, lächerlich. Ich feier sie! Auch sonst zelebriert sie Ihre Albernheit bei jeder Gelegenheit. Wie es so oft bei solchen Videos und mir ist, bin ixh mal für eine Stunde im Rabbithole ihres Kanals gelandet. Ich war und bin fasziniert und inspiriert. Ich brauche diese alberne Seite an mir in meinem Leben, das ist wichtig, denn sie tut mir gut. Wenn andere das doof finden oder als kindisch bezeichnen (was übrigens auch nichts Schlechtes ist, Kinder sind grossartig!), dann sollen sie halt. Nicht mein Problem, wenn zu viele Menschen glauben, dass mit der Fantasie, dem Spielen, dem Rumblödeln irgendwann vollständig fertig sein muss. Schade, dass sie dieses tolle Gefühl des absolut Schwachsinnigseins nicht geniessen können, denn das Leben als erwachsener Mensch ist doch eh schon ernst und beherrscht genug, muss das überall so sein? Natürlich blödel ich nicht immer und überall herum, ich kann einschätzen, wo es nicht angebracht wäre, bei welchen Gesprächen Ernsthaftigkeit gebraucht wird und trotzdem, da ist noch so viel Albernheitsluft nach oben. Viele Dinge, die meine Laune vermiesen konnten oder mich verunsicherten, sind im Nachhinein gesehen Situationen, die mehr Albernheit verdient hätten, da sie objektiv gesehen überhaupt nicht schlimm waren. Ich habe intensiv daran gearbeitet, dass ich souverän und gesund durch mein Leben komme, Termine im Blick habe, Gefühle regulieren kann und in meine Fähigkeiten vertraue, so Erwachsenseinzeug halt. Das will ich auch beibehalten (sorry nur kurz, gerade ein krasses Déja-vu gehabt, strub [Anm. der Redaktion, also mir, also..na, du weisst schon: das Déja-vu ereignete sich beim ursprünglichen Schreiben]), will aber dem Albernen seinen Platz ebenfalls geben, egal, ob das als „erwachsen“ angesehen wird oder nicht. Das ist ein wichtiger Teil von mir, der vielleicht einige nervt, andere irritiert oder belächelt wird….sollen sie doch! Ich bin so, deal with it. Ich bin überzeugt, dass viele Menschen, die mich mögen, mich unter anderem auch darum mögen. Naja, langsam wirds repetitiv, kommen wir zum Ende. Seit alberner (hahaha, Trigger ausgelöst, natürlich „Seid“), findet die Sache, die in euch kindliche Faszination und Freude auslöst und zelebriert es! Sollen doch alle so laut mit den Augen rollen, dass sie im Hinterkopf stecken bleiben. Sie sind neidisch darauf, dass erwachsene Menschen glücklich einen Fick auf das erwartete ernste Erwachsensein geben.

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