Entscheidungen, Entscheidungen

Ein Mensch trifft pro Sekunde 56 Entscheidungen, das sind 3000schiessmichtot Entscheidungen in der Minute. Ob das stimmt (sowohl die Aussage als auch die Rechnung) weiss ich nicht, Lust zu verfizieren habe ich auch nicht. Spielt auch nicht so eine grosse Rolle. Wie ich auf dieses Thema komme, fragst du dich gespannt (das nehme ich auf jeden Fall an, kinda). Ich habe mich dafür entschieden, weil genau das mir schwer fällt, mich zu entscheiden. So viele Themen schwirrten latent durch meinen Kopf, spannende Ideen schlichen sich ein, grossspurige Lösungsansätze begannen sich zu manifestieren. Und, ich konnte mich nicht entscheiden. So bin ich nun hier an diesem leicht wackligen Bistrotisch an einer befahrenen Strasse, ein Gespräch am Nebentisch mithörend, das mich gleichzeitig irri- und fasziniert (geiler Zusammenzug, nicht?). Ist es ein weirdes Date, ein weirdes Vorstellungsgespräch, ein weirdes Familientreffen? Ich weiss es nicht, weird ist es. Naja, anderes Thema, zurück zu den Entscheidungen. Sie fallen mir schwer, sehr schwer. Warum? Kein Plan. Willst du italienisch oder chinesisch essen? Sollen wir in eine Bar oder einfach an den See? Welchen Film willst du schauen? Gehen wir in diesen oder jenen Club (gut, diese Entscheidung musste ich schon lange nicht mehr treffen, weil alt)? Soll ich heute schreiben, lesen, gamen, fernsehen, Freunde treffen oder was ganz anderes machen? Manchmal weiss ich genau, was ich will. Oft überhaupt nicht. Dann bringen diese Fragen mich komplett aus dem Konzept und überfordern mich. Fragen, die an Belanglosigkeit nicht zu übertreffen und für andere sofort beantwortbar sind. (Zwischenstand Nebentischgespräch: Ich bin noch immer total verwirrt. Ab und zu klingt es, als würde es um einen Job gehen. Dann kommen Fragen, die auf gegenseitige Bekanntschaft hinweisen. Und in regelmässigem Abstand kommen von dem älteren Herrn anzügliche Sprüche, die die jüngere Frau kaum oder nicht zu stören scheinen. Seltsam.) Woran es liegt, dass mich solche Entscheidungen überfordern, kann ich nicht sagen. Gleichgültigkeit ist es nicht. Also, nicht im Sinn von “ Ist mir eh alles egal.“ Auch, dass ich es der fragenden Person immer recht machen will, ist nicht der Grund. Vielleicht bin ich einfach mit Vielem zufrieden. Vielleicht liegt es an meiner Offenheit Vielem gegenüber. Vielleicht ist es doch ein wenig Gleichgültigkeit, dass es für mich keine Rolle spielt. Und, noch vielleichter (ja, ich steiger das, deal with it) liegt es daran, dass ich nicht die falsche Entscheidung treffen will. Ein Schlüsselwort (oder Teilsatz eher) ist: „Ich weiss es nicht“. Ich weiss anfangs nicht genau, was ich gerade will, auch, weil ich oft mit so ziemlich allem zufrieden bin. Ich könnte mich also einfach für etwas entscheiden und es wäre ziemlich sicher mindestens in Ordnung. So leicht ist das für mich aber nicht. Was, wenn ich meine Entscheidung dann bereue? Was, wenn die andere Person mit der Entscheidung nicht zufrieden ist? ( Soviel zum Nichtrechtmachenwollen, ist vielleicht doch auch ein Grund). Was, wenn ich nicht alle Aspekte der Entscheidung in Betracht gezogen habe? Was, wenn die anderen Option(en) noch besser gewesen wären? Und so weiter und so fort. Das geht in mir ab. Gerade im Dating nicht so hilfreich. Die schlimmste Antwort auf Entscheidungsfragen meinerseits ist: „Ist mir egal, sag du.“ Was, wenn es doch nicht egal ist? Und ausserdem, das ist MEIN Move! Das ist ja nur der Anfang. Die Entscheidungen trudeln nahdisnah (how the fuck schreibt man das?!) ein. Soll ich sie nach einem zweiten Date fragen? Deute ich dieses Lächeln richtig als Interesse? War das eine Andeutung, dass mehr von meiner Seite gewünscht wird? Soll ich es wagen, mehr Nähe zu suchen? Ich will ihr ja nicht zu Nahe treten oder sie bedrängen, geschweige denn übergriffig werden…. Puuh, nur schon das Aufschreiben erschöpft mich. Hier ist das ja noch geordnet, in diesen Momenten überschlagen sich diese Fragen wie ein:e Kunstturner:in bei Olympia. Was also tun? Die Antwort ist so einfach, wie sie für mich auch angsteinflössend ist. Einfach machen. Das Risiko eingehen, dass es die falsche Entscheidung sein könnte. Darauf scheissen, dass es die falsche Entscheidung sein könnte. Erfahrungen sammeln, dass sich zu entscheiden gut enden kann. Erfahrungen ersetzen, die das Gegenteil bewiesen. (Auch wenn es klar sein sollte, gerade bei Annäherungen ist das „einfach machen“ natürlich nicht gemeint als Aufforderung Grenzen zu überschreiten. Auch wenn es vielleicht ein wenig unsexy klingt, ich würde empfehlen zu fragen, gerade, wenn es um Körperkontakt geht.) Das ist schwer. Für mich sogar sehr. Und doch ist es nötig. Heute habe ich mich entschieden zu schreiben. Ich bereue es kein bischen (Bischen? Sollte ein Nomen sein, glaube ich).

P.S. Das Gespräch am Nebentisch verwirrt mich nach wie vor. Ich befürchte, ich werde nie herausfinden, was das war. Irgendwie schade, aber auch spannend.

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