Seit nun über zwei Jahren gehe ich regelmässig zu einer Psychiaterin, die gleichzeitig TCM praktiziert (klingt so irgendwie ein wenig voodoomässig, aber egal) und, bei der ich Akkupunktur (zwei K? Ein K? Büüh..) mache. Ich bin mittlerweile ein riesiger Fan, denn diese kleinen Nädelchen an der richtigen Stelle lösen unglaublich viel aus. Damit einhergehend sind Begriffe wie mein innerer Drache, meine Mitte, meine Konstitution (absolutes Lieblingswort) und so weiter ein Bestandteil meines Denkens und Handelns geworden. Ich weiss, mein Drache muss aus der Mitte in meine Füsse, um mich zu stabilisieren und meine Mitte auszugleichen. (Seit ich das weiss, macht der Ausdruck „kalte Füsse kriegen“ noch viiiel mehr Sinn) Mein Herz, wenn es mal wieder höher schlägt oder sonst wie beschäftigt ist, kann zu meiner Mitte richtig fies sein und es fast schon mobben, weil es stärker und präsenter ist (Assi). Viele dieser Bilder habe ich kennen und lieben gelernt. Natürlich, das klingt jetzt sehr esoterisch oder mutet seltsam an, ich habe aber erlebt, wie sich in mir drin Energien freisetzen, Blockaden lösen oder ich mit mir selber im Reinen bin, wenn meine Mitte stabil ist. So weit, so gut. Momentan habe ich Ferien, unterrichtsfreie Zeit, kurz, ich kann entspannen. Also, ich könnte. Ich fühle mich jedoch sehr schlapp, antriebslos, nicht wirklich entspannt, eher das Gegenteil. Ich konnte nicht sagen, woran es liegt, denn ich hatte nichts sonderlich Erschöpfendes getan, ganz im Gegenteil (jaja, ich weiss, vermeide Wiederholungen undso, scheiss drauf, ich wiederhole soviel ich will, ich will). Sogar Abstand zu meinem Alltag konnte ich gewinnen. Nur nicht räumlich. Ein paar Tage in den Bergen, ansonsten good old Wiedikon. Ich liebe Wiedikon, ich liebe Zürich, ich will hier nicht so schnell wieder weg. Und trotzdem, da war dieses Gefühl, dieses unentspannte, leicht getriebene, blockierende Gefühl. Ich machte Sport, ich traf Freund:innen, schaute Filme, las (gelegentlich) Comics, gamete, tat also Dinge, die mir gut tun und, die ich mag. Das Gefühl blieb. Warum? Keine Ahnung. Stress wegen den Vorbereitungen für das neue Schuljahr? Maybe. Dinge, die mich beschäftigen? Gibt es fast immer. Aber auch das schien mir nicht der Grund zu sein. Seltsam. Mit heute erhielt ich eine Antwort. Bei besagter Psychiaterin habe ich berichtet darüber, wie es mir die vergangenen Wochen ging, was mir zu schaffen macht. Sie hörte zu, nickte, fragte nach und dann kam die Antwort. Meinem System ist es langweilig. Es läuft zu wenig. Es gab keine Abwechslung, auch wenn ich aktiv war. Es fehlte die Action, das Neue, das Aussergewöhnliche. Nicht, dass ich Bungee springen oder mich im Freeclimbing versuchen müsste, aber, Anderes! Mein System lechzt (mit ä?) nach Abwechslung, diese Diva. Ich war auch grösstenteils vernünftig während diesen Ferien, war darauf bedacht, auch an die Arbeit zu denken, vorzubereiten, sodass ich nicht in Stress komme, auch bei eitel Sonnenschein. Turns out (das ist Englisch und heisst „dreht aus“ bzw. „stellt sich heraus“, wenn man nicht zu wörtlich übersetzt), auch das passt meinem System nicht so wirklich. Ich sag ja: „F*cking Diva“. Kürzlich hatte ich zum Spass gesagt, dass ich aufhören sollte Vitamine und Magnesium zu nehmen und auf meinen Körper zu achten und stattdessen Heroin spritzen sollte, da mir anscheinend das Gut-auf-mich-Schauen nicht sonderlich gut tut. (Anm. der Redaktion, also mir, ich war dieses Jahr gefühlt überdurchschnittlich viel krank und schlapp und angeschlagen, auch mit gut auf mich schauen) So extrem soll es natürlich nicht sein, einen wahren Kern hatte es wohl doch. Zu vernünftig ist langweilig, macht mein System träge bzw. führt es dazu, sich selbst zu manipulieren und zu ärgern. Ich stelle mir das immer vor, wie mit Geschwistern, die sich aus Langeweile beginnen zu tritzen (noch nie geschrieben dieses Wort, klingt aber eigentlich eher nach „ie“) und zu ärgern, bis sie sich prügeln.
Okay, wichtige Erkenntnis und durch die Nadeln (die der Akupunktur, nicht des Heroins) konnten da viel bewirken. Ich hatte nämlich nicht keine Energie, sondern sie wurde blockiert. Auch nicht geil, aber immerhin. Was hilft mir das jetzt? Jede Menge. Es heisst, dass ich herausfinden muss (und will), was mein System weiterhin gut unterhält, auch wenn der Alltagsstress / das Alltagstreiben (ist ja nicht nur Stress) ausbleibt. Was es sicher auch heisst, ich brauche Tapetenwechsel in meinen Ferien, ich brauche Neues, Spannendes. 30+ Jahre alt und trotzdem lerne ich mich noch immer kennen und decke andauernd eine neue Facette auf, die ich nutzen kann, um mein Leben schöner zu machen.
Daher ist es egal, was man von Akupunktur oder TCM hält, ich werde handlungsfähiger durch diese Erkenntnisse und kann mein Wohlbefinden positiv beeinflussen. Zu sehen an einem 4-seitigen Text (in Papierform halt, hier einfach relativ lang), der an einem Tag entstand, an dem ich dachte, dass ich für nichts Energie aufbringen kann.
Nachtrag:
Nachdem ich diesen Text ursprünglich schrieb, sprach ich mit zwei Freunden auch über diese Thematik. Hier kamen mir noch zusätzliche Gedanken, die ich hier gerne anhängen möchte (ich hoffe, dass du noch lesen magst). Was mich am meisten an dieser Thematik fasziniert und beschäftigt ist, dass ich Vieles, das, wenigstens aus meiner Sicht, bei anderen ganz selbstverständlich und klar ist, aktiv lernen und herausfinden muss. Was tut mir gut? Was brauche ich, mein System, mein Körper, mein Kopf, mein Geist etc.? Für mich ist das nicht (immer) klar, an manchen Tagen funktioniert es besser, an anderen schlechter. Ich weiss nicht, wie nachvollziehbar das für Aussenstehende ist, für mich ist Alltag, ich lerne dazu, ich komme damit immer besser klar, trotzdem ist es Arbeit, die ich investieren muss, die ich gerne investiere, manchmal wünschte ich mir aber auch, dass es für mich auch so klar ist, wie für andere.
Naja, langweilig wird mir so schnell nicht mit mir.
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